Die andere Seite

Wenn man die andere Seite sehen will, kann man vielleicht auch mal die andere Seite sehen.“ (Thomas Doll)

Wir sind uns doch alle einig: Atomkraft ist schlecht, oder? Atomkraft, Atommüll und alles was mit dieser Technologie zusammen hängt wird für den Untergang der Menschheit sorgen. Deswegen steigt Deutschland aus der Atomenergie aus. Fukushima hat es doch gezeigt: Atomkraft bringt nichts als Probleme.

So oder so ähnlich klingen Aussagen, die man so ziemlich jedem Menschen, ob man denjenigen kennt oder nicht, vortragen kann, um ein zustimmendes Nicken zu bekommen. Ich kenne kaum jemanden, der dieser Aussage widersprechen würde. Aber warum ist das so? Warum gibt es eigentlich so viele Menschen, die eine so festgezurrte Meinung zu einem solchen Thema haben? Niemand von uns ist Experte für Atomenergie. Niemand von uns weiß, was „Strahlung“ überhaupt ist. Woraus eigentlich dieser schreckliche Atommüll besteht, den wir hier bei uns nicht haben wollen, weiß noch dazu auch niemand.
Die Antwort ist natürlich klar: Jeder von uns hat sich bereits bei Spiegel TV, stern TV oder in beliebigen anderen Medien darüber informieren lassen, wie schlecht die Atomenergie ist. Doch hat sich mal jemand eine Pro-Atomenergie Dokumentation angesehen?

Ich hatte letztens das Vergnügen, mir die Dokumentation „Pandora’s Promise“ anzusehen. Darin geht es um eben genau diese andere Seite der Atomenergie. Die Dokumentation ist vollständig auf Pro-Atomenergie Statements getrimmt. Es wird kein Geheimnis darum gemacht, dass der Atomenergie der Schrecken genommen werden soll. Mit Geigerzählern bewaffnet sieht man Menschen durch Fukushima, Tschernobyl und brasilianische Strände gehen. Erstaunlicher Weise ist in dieser Aufzählung der Strand in Brasilien der Ort, an dem die höchste Strahlenbelastung gemessen wird.
Die Dokumentation ist sicher nicht fehlerfrei. Es wird sehr einseitig berichtet, vieles wird etwas zu reißerisch inszeniert. Doch eines hat mir die Dokumentation mal wieder in das Bewusstsein geholt: Alles hat zwei Seiten.

Sich immer nur der allgemeinen Meinung anzuschließen ist einfach. Man stößt niemandem vor den Kopf, kann immer mitreden und findet überall gleichgesinnte. Doch ab und zu lohnt es sich, mal die andere Seite zu sehen. Ich bin auch nach „Pandora’s Promise“ kein Pro-Atomkraft-Aktivist geworden. Ich werde auch nach „Earthlings“ nicht vegan leben. Aber ich lerne dazu. Nicht weil ich hinterher weiß, wie Atomkraft funktioniert, sondern weil ich beide Seiten der Medaille, zumindest oberflächlich, gesehen habe. Nur so kann man sich mit solchen Themen überhaupt ernsthaft auseinander setzen.

Dieser Beitrag geht an die vielen Stammtisch-Philosophen die ich in letzter Zeit treffen durfte.