Google, StreetView und die Deutschen

Wer sich in Deutschland als Google-Fan outet, erntet eigentlich immer fragliche Blicke. Kaum jemand kann es verstehen, wie man ein Unternehmen befürworten kann, welches so Rücksichtslos mit unseren persönlichen Daten umgeht, unsere E-Mails scannt und und jetzt auch noch fotografiert.

Es fing schon damit an, dass Google auf GMail gespeicherte Daten automatisiert Scannt um damit Kontextabhängige Werbung zu generieren. Was war das für ein Aufschrei in diesem Land. Überall wurde das Ganze kritisiert und sollte am besten verboten werden. Manchmal frage ich mich, was für Leute das eigentlich sind, die sich über so etwas aufregen. Schonmal was von Spamfiltern gehört? Ein Spamfilter macht NICHTS andere als das, was Google mit den E-Mails macht. Der einzige Unterschied: Google nutzt die Keywords aus der Mail neben dem Spamfilter für die Werbung. Ich weiß nicht wie es euch geht, aber ich sehe lieber Werbung die mich interessiert, als Werbung zur 100. Partnerbörse die mir den richten Partner aussuchen will.

Nun ja, GMail ist sowieso nicht mehr aktuell. Die Datenschützer scheinen sich wohl damit abgefunden zu haben. Jetzt gibt es den neuen Feind: StreetView! Was meiner Meinung nach eine der genialsten Erfindungen Googles ist, wird von den (deutschen) Datenschützern natürlich in der Luft zerrissen. Es ist natürlich ein Unding was Google hier macht: Fotos. Wie kann Google nur so dreist sein und Menschen, Häuser und Fahrzeuge fotografieren! Schließlich gibt es in Deutschland doch das allgemeine Fotografie-Verbot, oder? Richtig, gibt es eben nicht. Wir könnten ja mal die Bildzeitung fragen, ob sich der Fotograf, der gerade den im sterben liegenden Motorradfahrer auf der A2 fotografiert hat, auch versichert hat, dass er den Motorradfahrer fotografieren darf. Aber nein, das ist ja etwas ganz anderes – schließlich landet das Foto nicht bei Google, sondern auf der Titelseite Deutschlands größter Boulevardzeitung.

Jetzt hat Google den Vogel natürlich abgeschossen: Während die StreetView-Auto in Deutschland unterwegs waren, wurden auch noch WLAN-Daten gesammelt. Jetzt hört der Spaß aber langsam auf! SSID und MAC-Adresse reichen schließlich aus, um ein umfangreiches Persönlichkeitsprofil zu erstellen. Darf ich vorstellen, mein Name ist: „WLAN, 00:24:FE:02:61:EF“. Gut, Google hat einen Fehler gemacht: Das Unternehmen hat bei seinen Fahrten WLAN-Verkehr mitgeschnitten und gespeichert. Aber was macht Google, als das Ganze öffentlich wird? Richtig, eine Statement auf dem Google-Blog abgeben. Ob das Ganze jetzt wirklich ein Versehen war – ich weiß es nicht, es interessiert mich auch im Grunde gar nicht. Solange Google die Daten löscht, bin ich zufrieden. Aber allein die Tatsache, dass Google überhaupt WLAN-Daten sammelt ist für deutsche Datenschützer natürlich unfassbar. Dass aber das britische Unternehmen Skyhook Wireless bereits seit mehreren Jahren ausschließlich WLAN-Daten sammelt – und das komplett abseits der Öffentlichkeit – das stört hier natürlich niemanden. Die deutschen Datenschützer haben sicherlich so etwas wie die „Anti-Google-Task-Force“ gegründet. Wenn es jemand anderes macht: Egal. Wenn es Google macht: Apokalypse!

Deutschland war immer das Land der Dichter und Denker. Die Denker haben das Land wohl irgendwann verlassen. Jetzt bleiben die Dichter. Aber gut, in einem Land, in dem die eigene Staatsverschuldung noch immer nicht ausreicht um die Regierung davon abzuhalten Milliarden in ein Land zu pumpen welches sich selbst zu Grunde gewirtschaftet hat, braucht man sich eigentlich auch über nichts mehr wundern.

4 Gedanken zu „Google, StreetView und die Deutschen

  1. Pingback: Timo
  2. Pingback: The Mrs.
  3. Du vergisst ein kleines aber feines Detail über StreetView: Jeder darf soweit alles fotographieren, das ist soweit korrekt, ABER es dürfen dafür keine Hilfsmittel wie z.B. eine Leiter benutzt werden, um in ein Grundstück zu knipsen.
    Und genau das macht Google aber: Der Aufbau des Autos ist eine Art Leiter und genau das ist nicht erlaubt.
    Googles „Rechte“ gehören beschränkt, aber der Gesetzgeber kriegt es nicht auf die Reihe.

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