Ein App Store für den Mac …und warum es jeder mitmachen würde

Gestern habe ich diesen Artikel von 9to5mac gelesen. Die kurze Zusammenfassung lautet in etwa, dass Apple angeblich für MacOS X 10.7 einen App Store plant, wie man ihn bereits auf dem iPad, iPhone und iPod Touch kennt. Das würde also bedeuten, dass Apple nur noch Programme zulassen würde, die von Apple selbst zertifiziert sind (siehe iPhone). Das wäre dann vermutlich auch das Aus für Bittorrent-Clients und co., da das laut Apple sicherlich keine angemessenen Software ist.

In den Kommentaren auf 9to5mac liest man natürlich ausschließlich, dass alle Mac-Nutzer SOFORT wieder zu Windows wechseln würden, wenn solch ein Fall eintritt. Jetzt lasst uns doch mal schauen, wie sich der Otto-Normal-Verbraucher in solchen Situationen verhält.

Als Facebook die Datenschutzrichtlinien um einige noch offenere, noch „Anti-Privatsphäre“-Paragraphen erweitert hat, haben alle gesagt, dass sie das Netzwerk verlassen – das ist natürlich passiert, richtig?

Als Google erklärt hat, dass der Inhalt von E-Mails automatisiert gescannt wird um Personenbezogene Werbung zu generieren haben natürlich alle Leute ihr GMail-Konto gelöscht, stimmt’s?

Als Apple die Entwicklerrichtlinien für Xcode überarbeitet hat, und niemand mehr 3rd-Party-IDEs verwenden durften, sind die Neueinstellungen im App Store schlagartig zurückgegangen, oder?

Die Einführung eines App Stores für den Mac hätte schlicht keine Auswirkungen. Die Leute würden MacOS genau so weiter nutzen wie bisher und sich über evtl. schnellere Apps, weniger Abstürze und einheitliches App-Design freuen – genau wie sie es auch beim iPhone tun. Der Aufschrei der bei solch einer Ankündigung kurz erscheint, ist schneller wieder im Sand verlaufen als er erschienen ist. Und ich meine, Leute die ein komplett offenes Betriebssystem ohne restriktionen haben möchten, die sollten schon jetzt alles andere nutzen, aber kein MacOS.

Was ich dazu sage? Ich nutze auf meinem Macbook Photoshop, Instant Messaging, Twitter, einen Webbrowser und „Coda“ zur Webentwicklung – was stört mich also die Frage nach irgendwelchen Restriktionen? Wir werden schon sehen wie es sich entwickelt. Ich bin jedenfalls froh, dass ich von heute auf morgen auf die Plattform meiner Wahl wechseln kann – aber wer kann das eigentlich nicht?

4 Gedanken zu „Ein App Store für den Mac …und warum es jeder mitmachen würde

  1. Hallo Timo,

    gespannt habe ich deinen Blogeintrag gelesen. Ich stimme darin mit dir überein, dass ein erheblicher Teil der Standard-Nutzer sich über diese Entwicklung nicht beschweren würden. Jedoch denke ich, dass es einige Argumente gibt, die explizit dagegen sprechen, dass Apple Ähnliches plant:

    1) Man darf den erheblichen Aufwand nicht unterschätzen, den Apple damit hätte, sämtliche Programme, die für den Mac entwickelt werden sollten, zu überprüfen. Ich denke, dass schon beim AppStore Apple gewaltig an seine Grenzen gekommen ist. Der raketenhafte Aufstieg war sicher nicht in der Form vorauszusehen.

    2) Weiterhin würde die Wartezeit für Updates, Patches, o.Ä. massiv in die Höhe getrieben. Es ist keinem professionellen Software-Entwickler zuzumuten, mit diesem Misstand zu leben.

    3) Eine Beschränkung auf von Apple signierte Anwendungen würde weiterhin dazu führen, dass Python, Java, usw. vom Mac verbannt werden müssten. Diese Laufzeitumgebungen erlauben es, Skripte bzw. Bytecode in Form einer GUI auszuführen. Dies müsste streng genommen auch als Anwendung gelten, richtig?
    Im Umkehrschluss würden dann ein Großteil der Anwendungen zukünftig für den Mac als Java-Anwendung entwickelt, da man eine Verbannung von Java nur sehr schwer rechtfertigen könnte.

    4) Es existiert diverse Spezialsoftware, die kundenorientiert angefertigt wird. Hier müsste dann eine Lösung gefunden werden, die OS/X für den Unternehmenseinsatz wieder deutlich unattraktiver machen würde.

    5) Sofern es so wie beim AppStore für iPhoneOS-basierte Geräte geregelt würde, müssten Softwarehersteller Ihren Quellcode für Anwendungen hinterlegen. Ich kann mir nur schwer vorstellen, dass sich auch nur ein namenhafter Hersteller das gefallen lassen bzw. dann noch für MacOS entwickeln würde.
    Ich bin davon überzeugt, dass beispielsweise Adobe seinen Quellcode für Photoshop Apple niemals freiwillig überlassen würde und dann auch jegliche Rechte daran abtreten.

    6) Wenn man nun bedenkt, dass sich Apple evtl. einige Duzend Prozent der Einnahmen für jegliche Mac-Software einstecken würde, würden wohl viele Unternehmen endgültig die Entwicklung für OS/X einstellen. Das wäre im Umkehrschluss das Todesurteil für das („weltweit fortschrittlichste“) Betriebssystem.

    Durchaus sinnvoll und möglich sehe ich jedoch – aus Sicht von Apple – iAds in zukünftige OS/X Versionen einzubauen. Mir graut es jetzt schon davor..

    Grüße und noch ein schönes Rest-Wochenende,
    Dennis

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